Leben auf kleinstem Fuß

Am Dienstag wurde ich durch die ZDF-Sendung “37°” daran erinnert wie gut es mir und wie schlecht es einigen meiner deutschen Mitbürger geht. Unter dem Titel “37 Grad: Leben auf kleinstem Fuß” wurde die trostlosen Realität einer Familie aus Wustermark dokumentiert. Seit der Vater an Multipler Sklerose erkrankt ist, lebt sie am Existenzminimum. Die Schwestern Frauke (15) und Franziska (17) müssen ein Bett teilen während ihr Bruder Max (11) in der Schule ausgegrenzt wird weil für Markenklamotten kein Geld da ist. In der letzten Woche jedes Monats weiß die Mutter nicht mehr, wie sie Nahrungsmittel bezahlen soll.
“Bei uns ist es so: Wenn wir nicht so viel zum Essen haben, dann nimmt jeder immer Rücksicht auf den anderen”, sagt der kleine Max, elf Jahre alt, aus Wustermark. “Wir hatten ja in letzter Zeit richtige Probleme. Wir konnten manchmal nichts zum Mittag oder nichts zum Abendbrot essen. Da habe ich meine 15 Euro, die ich bei Oma verdient habe, der Mama gegeben, damit wir etwas essen konnten.”
Immer haarscharf am Rande zum Voyeurismus porträtieren die Autoren Uta von Borries und Stephan Rebelein den Kampf der Familie gegen die materielle Not und gegen den Verlust der Würde. Sie lassen deutlich werden, was es bedeutet, täglich mit allen Kräften um Zukunftschancen, kleine Freiräume, um gesellschaftliche Anerkennung und Selbstbewusstsein zu ringen. Neben Tristesse und Mangel lässt die Dokumentation den Zuschauer auch Zuversicht und Hoffnung und vor allen Dingen Solidarität erleben: Trotz oder gerade wegen aller Schwierigkeiten, steht die Familie, die auf kleinstem Fuß leben muss, füreinander ein.
Mich hat “Leben auf kleinstem Fuß” wirklich betroffen gemacht. Mag sein, dass der Realität eine große Portion Dramaturgie verpasst wurde - der Film ist allerdings keine Elendsreportage wie man sie von den kommerziellen Sendern gewohnt ist sondern zeigt dass es trotz der Armut auch Hoffnung gibt.
Ich kann euch allen empfehlen euch die Wiederholung von “37 Grad: Leben auf kleinstem Fuß” am 4. Juni um 18 Uhr auf 3Sat anzuschauen.
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6 Kommentare
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Ich hab die Doku gestern gesehen fand aber das das mit der Dramaturgie von dem Fernsehteam übertrieben wurde. Mit der Kamera voll draufhalten wenn ein 11-jähriger aus Verzweiflung weint ist schon Sensationshascherei… das muss man nicht so zeigen.
Witzig… ich hab’s am Dienstag gesehen und war hin und her gerissen. Einerseits tat mir die Familie schon leid andererseits fand ich das sie nicht repräsentativ waren. Bei denen waren ja die familiären Strukturen noch intakt, man war engagiert, es gab keine Gewalt, keinen Alkoholmissbrauch usw. Ich denke da sieht es bei vielen anderen Armutsfamilien noch schlimmer aus…
Bei der Solidaritätswelle die der Film losgetreten hat (viele Zuschauer wollen Geld etc. spenden) frage ich mich ob die Leute vergessen haben das es sich bei der Familie aus Wustermark nur um eine von vielen handelt denen es dreckig geht.
Bei meiner Arbeit denke ich auch immer wieder wie gut ich es doch habe… Job, Wohnung, Essen, liebe Familie und treue Freunde - keine Selbstverständlichkeit in Deutschland anno 2009…
Das hat mich echt hungrig gemacht!!! Heute gibt´s mal nen Steak zum Frühstück.
Kann Tina nur beipflichten - auch in meinem Job erlebst Du teilweise täglich wie sich die Sozialstruktur verändert hat und wie gerade durch Krankheit beeinträchtigte Familien in eine Misere förmlich getrieben werden - da kann von “Sozialstaat” keine Rede mehr sein, Man schämt sich ja als Krankenkassen-Angestellter schon, wenn man Leistungen verweigern muss, die eigentlich dringend nötig sind, nur weil Gesetze im Wege stehen