Samy Deluxe - Dis Wo Ich Herkomm

Als 1998 “Pures Gift” (Dynamite Deluxe Vinyl-12″) auf den Markt kam galt Samy Deluxe als einer der technisch versiertesten Rapper im deutschsprachigen Raum. Elf Jahre später kann der “Big Baus of the Nauf” zwar auf eine (mehr oder weniger) glorreiche Vergangenheit zurückblicken - Gegenwart und Zukunft sehen jedoch weniger rosig aus. Angesichts dessen was der “Wickeda MC” auf seinem neuen Langspieler “Dis Wo Ich Herkomm” zum Besten gibt wird wohl jeder ältere Liebhaber deutscher Rapmusik bestürzt und entsetzt sein.
Während Samy in “Intro” noch verspricht alles sei “fresher” oder “besser” drängt sich nach wiederholtem Anhören des Tonträgers die Frage auf, ob er die letzten zehn Jahre verschlafen oder ob er einfach keinen Bock mehr hat. Während die Alben “Samy Deluxe” (2001) und Verdammtnochma (2004) zumindest ansatzweise das hielten wofür der Name Samy Deluxe mal stand ist das neue Album “Dis Wo Ich Herkomm” einfach nur noch belanglos.
Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt das Samy mal Lieder mit Textzeilen wie “Dies hier ist ein Lied für meine O-O-O-U-Oma” oder “Ich hab ne wundervolle Mama und’n Loser als Vater. Doch alles cool, keine Probleme. Hakuna Matata” veröffentlicht - ich hätte ihn für verrückt erklärt. 2009 sind solche Zeilen allerdings Realität und symptomatisch für den Inhalt von “Dis Wo Ich Herkomm”.
Zu o.g. Schwachsinn gesellen sich sensationelle Erkenntnisse des Deluxe-Denkers, etwa “dass das System hier ungerecht is” (Welch eine Überraschung) und es Schwarze nach wie vor nicht leicht in Deutschland haben (Wow!). Dann aber verkündet er in einem anderen Track “Dies Land hat mir etwas gegeben, ich will was zurückgegeben. Früher dacht ich ‘Fick Politik’, jetzt will ich mitreden.”
Das Album kann man nur als seichten, genuschelten Zeigefinger-Pop bezeichnen. Lediglich “Erster” oder “Übers Geld” erinnern noch an die Zeiten, als Samy zur Elite des Deutschraps zählte. Ich kann mich nicht erinnern den Kauf eines Albums jemals so sehr bereut zu haben. Der Titel des Albums sollte besser lauten “Dis Wo Ich Hingeh” - nämlich in die absolute Bedeutungslosigkeit.
Gut das es noch deutschsprachige Rapper wie “Casper” gibt, der mit seinem 2008er Album “Hin Zur Sonne” gezeigt hat wo aktuell der Hammer hängt und dabei sympathisch und locker ist.
http://www.vimeo.com/1553723Getagged mit Deluxe, Kritik, Musik, Samy + Kategorie Reviews, Musik
2 Kommentare
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Ich denke das Samy Deluxe mit seinem neuen Album zusammen mit Roger Cicero auf Tour gehen kann. Echt BAD!!!
Casper ist der Görßte…. weil er aus BIELEFELD kommt…