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Jay Dobyns - Falscher Engel

Jay Dobyns: Falscher Engel

Vor ein paar Jahren habe ich mal die Biographie des Hell’s Angels Mitbegründers Ralph “Sonny” Barger (Hell’s Angel: The Life and Times of Sonny Barger and the Hell’s Angels Motorcycle Club) gelesen und war schwer beeindruckt. Weniger von den dort beschriebenen “Heldentaten” der Angels und ihrem Lebensstil aber umso mehr von der Tatsache das aus einem kleinen Motorradclub eine riesige Organisation mit Ablegern in 32 Ländern entstanden ist.

Als ich vor einigen Wochen das Buch des ATF-Undercover-Agenten Jay Dobyns (Falscher Engel. Mein Höllentrip als Undercover-Agent bei den Hells Angels) im Buchhandel entdeckte war ich interessiert, wie er die Angels Organisation erlebt hat, als er sich dort “einschlich”.

“Falscher Engel” ist die faszinierende Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes, der sich in die verbotene und lebensgefährliche Unterwelt der eingeschworenen Hells-Angels-Gemeinschaft einschleust. Zwei Jahre lang arbeitet Jay Dobins in dieser berühmt-berüchtigten südwestamerikanischen Rockergang als verdeckter Ermittler.

In dieser Zeit führt er das mörderisch spannende Leben eines muskulösen, tätowierten und bis an die Zähne bewaffneten Raubtiers auf einer dröhnenden Harley, inmitten eines Rudels gefallener Engel. Doch dieses Doppelleben führt Dobins an den Rand seiner eigenen Existenz und hinterlässt tiefe Spuren auf seiner Seele. Als Zeuge zahlreicher (Kapital-)Verbrechen, gefangen im Strudel der Ereignisse und beeinflusst von charismatischen Personen verliert er fast den Halt. Um ein Haar wäre er der Aura der Höllenengel und der Besessenheit des Bösen erlegen. Und hätte dabei seine Familie, seine Gesundheit und letztendlich sein Leben in der Hölle aus Lügen, Drogen und Gewalt zurückgelassen …

Ein fesselnder Tatsachenbericht. Spannend wie ein Roman. Aufregender als jeder Hollywood-Thriller.

Ehrlich gesagt habe ich lange kein Buch mehr in der Hand gehabt das so schlecht geschrieben war wie “Falscher Engel”. Während das Buch sprachlich irgendwo zwischen Grundschulaufsatz und Bildzeitungsartikel angesiedelt ist würde ich den Inhalt im Bereich Fiktion einordnen. Ohne mit der einen (Angels) noch der anderen (Ordnungshüter) Seite zu symphatisieren kann jeder Laie nach etwa der Hälfte des Buches erkennen das es Jay Dobyns mit der Wahrheit nicht so genau genommen hat um einen Bestseller zu produzieren.

Während bspw. die Dauer der ATF-Operation nur elf Monate betrug will Dobyns (nach eigenen Angaben) vom Noname zum Hangaround und Prospect aufgestiegen sein und nach einem inszenierten Mord soll ihm sogar die Hells Angels Kutte überreicht worden sein. In dieser kurzen Zeit den Status eines “Members” zu erreichen ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn auch wenn die einzelnen Charter weltweit sicherlich unterschiedliche Gebräuche betreffend der Zeitspanne pflegen, so beträgt der kürzeste Zeitraum doch mindestens zwei Jahre.

Ein Schocker ist das Buch trotz der vielen Fantastereien nicht geworden. Für ein paar Seiten ist es noch unterhaltsam Dobyns durch Clubhäuser, Clubs, Kaschemmen und auf Runs zu folgen - über 384 Seiten ist das jedoch totlangweilig und macht “Falscher Engel” auch für den Leser zum Höllentrip.

Das nach Abschluss der Ermittlungen von den 52 verhafteten Hells Angels nur 16 angeklagt und letztlich nur 8 (wegen kleinerer Vergehen) verurteilt wurden zeigt das Dobyns ebenso schlecht ermittelt wie er schreibt.

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3 Kommentare

  1. Die ganzen “Ich war Undercover-Cop” Stories sind eh alle gleich… hab letztes Jahr noch “Ich war Jack Falcone” gelesen = gähn!

  2. Hab das Buch mal auf einer Bestseller-Liste gesehen und mir gleich gedacht das dort versucht wird aus der momentanen Rocker-Banden-Diskussion Kapital zu schlagen…

  3. Ich hatte das Buch mal in einer Buchhandlung in der Hand und fand schon die ganze Lobhudelei auf dem Cover verdächtig. Bücher die das nötig haben sind meistens nicht das Papier wert auf das sie gedruckt wurden.

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